News-Beitrag

Hurtigruten – beeindruckender Reisebericht

  • 14. November 2017

Auf der Jagd nach dem Polarlicht

Was Norwegen zu einem der beliebtesten und landschaftlich beeindruckendsten Reiseziele macht, das habe ich in meiner über 25-jährigen Tätigkeit als Reiseleiter schon oft erlebt. Wenn neue Gäste auf den zahlreichen Kreuzfahrten an der Reling standen und mit träumerischen Blick die grandiose Landschaft an sich vorbei ziehen ließen, dann hatte ich wieder ein paar Freunde für das nordische Land gewinnen können. Auch die Hurtigrute, die norwegischen Postschiffe, sind mir schon aus meiner Zeit als Student in Norwegen vertraut und strahlen noch immer einen ganz besonderen Reiz auf mich und die Mitreisenden aus.

Diese Reisen fanden allerdings bisher immer im Frühling oder Sommer statt. Dann, wenn die Mitternachtssonne Touristen aus allen Herren Ländern in den Norden zieht und man nicht zum Schlafen kommt, weil es den ganzen Tag hell ist. Wie also würde es sein, im Oktober nach Norwegen zu reisen, wenn es bereits um 18 Uhr dunkel wird. Während sich die „normalen“ Kreuzfahrtunternehmen bereits seit zwei Monaten aus dem Norden zurückgezogen haben, fährt die Hurtigrute 365 Tage im Jahr von Bergen nach Kirkenes; also auch am 10. Oktober als unsere Fahrt in Bergen begann.

Schon an den schweren Koffern war zu erkennen, dass sich die meisten Mitreisenden auf eher winterliche Temperaturen eingestellt hatten. Doch die regenreichste Stadt Europas empfing uns mit strahlender Sonne am abendlichen Himmel.

An Bord angekommen, wurde ziemlich schnell klar, dass nicht nur das Nordkap und Kirkenes an der russischen Grenze das Ziel unsere Reise war, sondern viele der Passagiere auf ein ganz besonderes Naturschauspiel hofften: das Polarlicht.

Obwohl das ganze Jahr über vorhanden, erscheint das Polarlicht oder Aurora borealis dem menschlichen Auge nur im Winter. Wenn es dunkel genug ist und es damit nicht vom Sonnenlicht überstrahlt wird. Diese faszinierende Lichterscheinung wird hervorgerufen, wenn geladene Teilchen des Sonnenwinds auf Sauerstoff- und Stickstoffatome in der Erdatmosphäre treffen. Dies geschieht etwa in einer Höhe von 100 km und damit oberhalb der leider allzu oft vorhandenen Regenwolken, die das Polarlicht nicht hindurchlassen. Drei Voraussetzungen also mussten erfüllt sein: genügend Sonnenwindaktivität, die dunkle Jahreszeit und ein sternenklarer Himmel.

Leider sah es die ersten Tage nicht so aus als würden wir erfolgreich sein. Sowohl in Ålesund als auch Trondheim waren am regenverhangenen Himmel keine Sterne zu sehen. Erst in Bodø blickte die Sonne hinter den Wolken hervor und wir hofften am frühen Abend während der Überfahrt zu den Lofoten auf das grüne Schimmern des Nordlichtes, wie das Polarlicht auch genannt wird.

Aber erst nach Tromsø sollten wir das Nordlicht das erste, aber bei weitem nicht das einzige Mal, zu Gesicht bekommen. Selbst wenn man schon viele Bilder davon gesehen und etliche Abhandlungen über die Entstehung und die Möglichkeiten es zu fotografieren gelesen hat, so ist doch der unmittelbare Eindruck ein ganz besonderes bewegendes Ereignis: Die Beobachtung der zunächst unscheinbaren Schleier, die sowohl über den ganzen Himmel verteilt sind, als auch in abgegrenzten Formen am Himmel tanzen, berührt jeden Anwesenden. Und der Wunsch, die sich schnell bewegenden Lichterscheinungen mit dem Fotoapparat zu erfassen, weicht alsbald stummem Staunen über das nächtliche Schauspiel.

Wie bereits erwähnt sollte es nicht die einzige Nacht bleiben, die wir an Deck der MS Nordkapp verbrachten um dem nördlichen Phänomen beizuwohnen. Sowohl am Abend nach dem Besuch des Nordkaps, als auch die darauffolgende Nacht in Tromsø war der Himmel erfüllt von einem mystisch-grünem, tanzendem Schleier.

Den Höhepunkt aber erlebten wir, schon wieder unterhalb des Polarkreises angekommen, nach dem Ablegen in Rørvik. Eine spektakuläre und gleichzeitig faszinierende Lichtershow, die sich weder mit Worten noch mit Bildern zutreffend beschreiben lässt. Ein Naturschauspiel, das seinesgleichen sucht und bei allen einen bleibenden Eindruck hinterlassen hat.

Auch wenn der Norden im Winter nicht unbedingt zu einer Kreuzfahrt einlädt, so spiegeln die Bilder nur einen Bruchteil dessen wieder, was sich auf der Jagd nach dem magischen Polarlicht erleben lässt. Und auf den Schiffen der Hurtigrute ist jeder Gast das ganze Jahr gut aufgehoben und vielleicht sind Sie das nächste Mal dabei, wenn sich eine reisewelt-Gruppe wieder auf die „Jagd nach dem Polarlicht“ macht.

Herzlichst

Ihr Andreas Jordan